In der Anpassungshölle.

Da trotz löblichem bevorstehenden Studienabschluß auch weiterhin Ausgaben anfallen, habe ich mir vorübergehend einen Vollzeitjob in einem Callcenter  besorgt.

Hier ist nichts, wie es scheint. Anfangs wunderte ich mich über die freundliche Atmossphäre und die scheinbar angenehmen Vorgesetzten – das kenne ich anders. Mit der Zeit jedoch kommt heraus, dass das Ganze im Grunde eine riesige Mogelpackung ist. Aus Freundlichkeit wird das monatelange Übersehen von Mobbing und Mitarbeitern, die reihenweise aufgeben und durch neue ersetzt werden.

Man bekommt sechs Wochen Schulung, die z.T. jeder Beschreibung spottet. Zunächst wird versichert, man könne ungezwungen so sprechen, wie man wolle. Alles ganz easy und so. Dann wird man förmlich überschüttet mit Wissen, das gefälligst en detail beherrscht werden soll. Hier und da wird schließlich en passant fallen gelassen, alles könne man da ja nicht sagen und Schritt für Schritt die eigene Ausdrucksweise in ein Korsett aus lächerlich klingender Fröhlichkeit verpackt. Und weil das nicht reicht, werden einem noch Lebenstipps mit auf den Weg gegeben – wie man das Leben toller und supi meistert, wenn man nur immer dümmlich lächelt. Geht es noch anmaßender? Noch mehr Einmischung? Noch mehr Abschnüren jeglicher Spontanität.

Getoppt wird das durch selten dumme Aufgabenstellungen, bei denen man solche bewältigen darf, die etwa auf dem Niveau von Sechstklässlern liegen. Verteidigt wird das mit bestimmten Studien, gegen man ja nicht einwenden könne. Ach, nein? Ich hasse es, wenn Studien zu x-beliebigen Zwecken herangezogen werden, die gerade mal die verdammte Überschrift überfliegen – Hauptsache, es paßt entfernt in das Konzept, dann mutiert es zur unumstößlichen Tatsache. Wie sehr sich das von jeder Realität eines Wissenschaftsbetriebes entfernt, ist einfach nur abartig.

Unterhält man sich mit den Mitarbeitern, so ist die Begeisterung doch eher rudimentär. Ausnahmslos alle wollen weg aus dieser Firma, was bemerkenswert ist und erschreckend zugleich. Da wir im glorreichen Zeitalter von Einsparungen leben, werden die Mitarbeiter mit immer mehr Aufgaben betraut – während der Lohn wirklich lächerlich ist.  Für mich nicht ganz so tragisch, alle Kräfte werden bestenfalls halb eingesetzt und das Gehalt größtenteils beiseite gelegt. Aber wie das die anderen, so blöd es auch klingt, hinkriegen mit Miete und allem anderen – ich verstehe es nicht.

Das Schlimmste: die Kunden. Die meisten sind okay, aber echte Querulanten und Nervensägen jammern und klagen stundenlang, weil sie dies oder jenes nicht hinbekommen und uns dafür verantwortlich machen. Mit Juristen drohen, der Presse, etc pp. Viel Geschrei um nix. Aber zu klug sind, Rechnungen und diverse AGB-Infos genau zu lesen…………

 

 

Naja Studium ist recht gut abgeschlossen, so dass die grosse und entzückende Zeit von Bewerbungen für einen ‚richtigen‘ Job. May the force be with me. :p

 

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Dieser Beitrag wurde am Mai 29, 2013 um 20:22 veröffentlicht und ist unter Uncategorized abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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